Igel schützen – ganz einfach
Seit Oktober 2024 steht der Westeuropäische Igel auf der Roten Liste als „potenziell gefährdet“. Eine der Hauptursachen: unsere Gärten. Aber wir können das ändern – ohne großen Aufwand.
Wer kennt das nicht: Ein stacheliger Gast tapst abends durchs Beet, schnüffelt kurz und verschwindet wieder im Dunkeln. Igel gehören zu unseren Gärten wie Rotkehlchen und Regenwürmer. Doch ihre Bestände sind in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen – in mehr als der Hälfte aller Länder, in denen sie vorkommen. In Deutschland sterben allein durch den Straßenverkehr bis zu einer Million Tiere pro Jahr. Und ein weiterer Faktor rückt zunehmend in den Fokus: der Mähroboter.
Was das Gesetz regelt – und was es nicht schützt
In Deutschland gilt für den Betrieb von Gartengeräten die 32. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (kurz: 32. BImSchV). Diese legt fest, wann Rasenmäher, Freischneider und ähnliche Geräte in Wohngebieten betrieben werden dürfen. Werktags ist das Rasenmähen in der Zeit von 7:00 bis 20:00 Uhr erlaubt. An Sonn- und Feiertagen ist der Betrieb ganztägig untersagt. Für besonders lärmintensive Geräte wie Freischneider, Grastrimmer, Laubbläser und Laubsammler gelten noch engere Fenster: Sie dürfen in Wohngebieten nur werktags von 9:00 bis 13:00 Uhr und von 15:00 bis 17:00 Uhr betrieben werden. Landwirtschaft Hessen
Viele Kommunen können darüber hinaus eigene Regelungen per Satzung erlassen. Für Niestetal existiert nach aktuellem Stand keine über die Bundesverordnung hinausgehende gemeindeeigene Lärmschutzregelung – das Ordnungsamt ist in einen gemeinsamen Bezirk mit der Gemeinde Kaufungen eingebettet. Es gelten damit die bundesweiten Mindeststandards.
Das Problem: Diese Regeln schützen Menschen vor Lärm – nicht Igel vor Klingen.
Denn der Igel ist ein echtes Nachttier. Er wird nicht in der Dämmerung, sondern kurz nach Sonnenuntergang aktiv und ist die gesamte Nacht unterwegs – auf der Suche nach Nahrung, Unterschlupf oder einem Partner. Im Hochsommer fällt die gesetzlich erlaubte Mähzeit von bis zu 20:00 Uhr damit direkt in den Beginn seiner aktiven Phase. Ein Mähroboter, der abends um 19:30 Uhr losrollt, bewegt sich also vollständig im legalen Rahmen – und ist für einen Igel trotzdem lebensgefährlich.
Das Problem: Stille Klingen in der Nacht
Genau hier liegt das eigentliche Risiko. Igel fliehen nicht. Bei Gefahr rollen sie sich instinktiv ein – ein perfektes Schutzverhalten gegen Fuchs und Marder, aber eine tödliche Strategie gegenüber rotierenden Klingen. Zwischen Juni 2022 und Oktober 2023 wurden bundesweit 370 dokumentierte Fälle von Igeln mit Schnittverletzungen durch elektrische Gartengeräte gemeldet – und das ist nur die Spitze des Eisbergs.
Der Igel gilt nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 BNatSchG) als besonders geschützte Art. Das bedeutet: Wer ihn wissentlich verletzt oder tötet, macht sich strafbar. Die Lärmschutzverordnung ist darauf nicht ausgelegt – sie regelt Dezibel, keine Tierschicksale.
Was andere Kommunen bereits tun
Immer mehr Städte reagieren auf die Gefahr, die von Mährobotern für Igel ausgeht. Köln, Leipzig, Mainz, Göttingen, München – sie alle haben bereits nächtliche Mähroboter-Verbote eingeführt, die meist von einer halben Stunde vor Sonnenuntergang bis eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang gelten.
Ein bundesweites Verbot gibt es noch nicht – aber der Trend ist klar, und wir müssen in Niestetal nicht auf eine gesetzliche Regelung warten, um selbst etwas zu tun.
Was du konkret tun kannst
Die gute Nachricht: Igelschutz ist einfacher als man denkt.
Mähroboter tagsüber programmieren Die meisten modernen Geräte lassen sich per App zeitlich einschränken. Stelle deinen Mähroboter so ein, dass er nur zwischen 9 und 17 Uhr mäht. Das liegt komfortabel im gesetzlich erlaubten Fenster, schont die Mittagsruhe der Nachbarn – und lässt Igeln die Nacht in Sicherheit.
Tempo und Sensorik nutzen Einige neuere Modelle bieten Wildtiersensoren oder reduzierte Geschwindigkeitsstufen. Wer die Wahl hat, sollte davon Gebrauch machen.
Eine Ecke „wild“ lassen Igel brauchen Rückzugsräume: Laubhaufen, Reisighaufen, dichte Hecken. Wer eine Ecke des Gartens etwas verwildern lässt, bietet nicht nur Igeln, sondern auch Insekten und Vögeln wertvollen Lebensraum.
Vor dem Mähen kurz schauen Ein kurzer Blick unter Büsche und in Grasbüschel, bevor der Motor läuft – das dauert 30 Sekunden. Besonders im Frühjahr, wenn Igel nach der Winterruhe wieder aktiv werden, lohnt sich diese kleine Geste.
Zäune igelfreundlich gestalten Igel legen pro Nacht mehrere Kilometer zurück. Schon eine kleine Lücke von 10–13 cm am Zaunfuß reicht aus, damit sie durchkommen.
Ein kleiner Beitrag mit großer Wirkung
Die aktuelle Gesetzeslage schützt uns vor dem Lärm unserer Nachbarn – aber nicht die Igel vor unseren Geräten. Diese Lücke können wir selbst schließen, mit einer einfachen Einstellung im Mähroboter-Zeitplan.
Wenn wir in Niestetal gemeinsam ein bisschen rücksichtsvoller mit unseren nächtlichen Gartenbewohnern umgehen, können unsere Gärten wieder zu dem werden, was sie einmal waren: ein Zuhause für Igel.
Habt ihr schon einen Igel in eurem Garten entdeckt? Schreibt es uns gerne in die Kommentare – wir freuen uns über jeden Bericht aus der Nachbarschaft.